Arten- & Naturschutz


Gesetzlichen Vorgaben müssen eingehalten werden und ein Nebeneinander ist mit guter Planung und dank Technik möglich

Die Genehmigung zur Errichtung von Windenergieanlagen (WEA) ist von der Einhaltung der gültigen Naturschutzgesetzgebung abhängig. Insbesondere sind zahlreiche Schutzgebiete in der Schweiz streng geschützt. Gemäss Windenergiekonzept 2017 sind sie entweder für den Bau von Anlagen tabu (Moorlandschaften, Hoch-, Übergangs- und Flachmoore von nationaler Bedeutungen, Kernzone Nationalpärke und Naturerlebnispärke, Wasser- und Zugvogelreservate von internationaler und nationaler Bedeutung WZVV), oder sie gelten als grundsätzliche Ausschlussgebiete (übrige Biotope von nationaler Bedeutung gemäss Art. 18a NHG), wo nur in sehr gut begründeten Fällen und nach ausführlicher Interessenabwägung die Errichtung von WEA bewilligt werden kann.


Fledermäuse und Vögel - Windenergie und Schutz sind kein Widerspruch

Windenergieanlagen beeinträchtigen Vögel und Fledermäuse kaum. Dank sorgfältiger Planung und neuer technischer Lösungen können die möglichen Auswirkungen so weit reduziert werden, dass der per Gesetz geregelte Schutz bedrohter Vogelarten gewährleistet ist. Die Anliegen des Vogelschutzes können bereits in den ganz frühen Planungsstadien eines Windenergieprojekts berücksichtigt werden.

Zahlreiche Studien und Gutachten zeigen, dass die Gefahr durch WEA für die meisten Vogelarten vergleichsweise gering ist (z.B. Loss, Will & Marra 2012, Sovacool 2013, Calvert et al. 2013). So kommt eine Studie aus den USA zu menschlich bedingten Todesfällen von Vögeln zum Ergebnis, dass diese für weniger als 0,01% der getöteten Vögel verantwortlich sind. In dieser Zusammenfassung unterschiedlichster Studien zu dem Thema wird die Rangliste deutlich von Gebäuden, Stromleitungen und an dritter Stelle Katzen angeführt, die insbesondere eine Gefahr für Jungvögel bei ersten Flugversuchen darstellen).

In Deutschland gab es mittlerweile dank einer umfangreichen Forschungsstudie eine generelle Entwarnung für die meisten Vogelarten, und insbesondere für den Vogelzug: „eineGefährdung von Arten des millionenfachen nächtlichen Breitfrontenzuges nordischer Singvögel durch WEA kann ausgeschlossen werden“).

Auch in der Schweiz sind Verluste durch Windenergieanlagen viel geringer als befürchtet. Am Beispiel des Windparks Le Peuchapatte, der von Millionen von Vögeln während dem Frühlings- und Herbstzug überflogen wird und theoretisch mehrere hundert Kollisionen verursachen könnte, sind wenige Schlagopfern gefunden worden, obwohl der Perimeter eine Saison lang sehr akribisch nach Totfunden durchgesucht worden ist. Darunter waren nur ungefährdete Arten vertreten.

Birdlife International schätzt, dass 75% der Vogelarten durch den Klimawandel bedroht sind. Für gewisse schweizerischen Arten wie das Alpenschneehuhn sind die Aussichten bereits schlecht, wie die Schweizerische Vogelwarte Sempach feststellt: „das Alpenschneehuhn wird nach allen Voraussagen sehr stark unter dem Klimawandel leiden, und sein Verbreitungsgebiet wird schrumpfen“. (Zustand der Vogelwelt in der Schweiz, Bericht 2016,Medienmitteilung von 24.06.2016: Rückzug ins Reduit). Da die Nutzung erneuerbarer Energien und damit der Windenergie eine der effektivsten Klimaschutzmassnahmen darstellt, hat die Windenergie global gesehen positive Effekte für den Artenschutz.



Vögel vor Windanlage

Trotzdem ist es unbestritten, dass WEA je nach Standort für bereits bedrohte Vogel- und Fledermausarten problematisch sein können. Planer und Betreiber von WEA sind sich ihrer Verantwortung bewusst und berücksichtigen Umweltverträglichkeit und den Schutz der Natur in ihren Vorhaben. Tatsächlich wird bei der Planung von WEA sehr viel dafür getan, um der Gefahr möglicher Kollisionen, der Beeinträchtigung der Tiere oder der Zerstörung von Fortpflanzungs- und Ruhestätten durch die Anlagen zu begegnen.

Alle Fledermausarten sind in der Schweiz bundesrechtlich geschützt, während die meisten Brutvogelarten entweder national oder kantonal geschützt sind. Windenergieanlagen dürfen nur gebaut werden, wenn ihr Schutz gewährleistet werden kann.

So muss ein unabhängiges Gutachten im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung erstellt werden. Dabei wird ermittelt, inwieweit gefährdete Arten von dem Bau einer WEA betroffen sind, wie sich eine Beeinträchtigung vermeiden lässt und wie gegebenenfalls Ausgleichsmassnahmen aussehen können. Zudem muss während dem Betrieb eine Erfolgskontrolle stattfinden, um die Wirksamkeit der Massnahmen sicherzustellen

Die Technologie entwickelt sich weiter: Das Risiko von Zusammenstössen von Fledermäusen und Vögeln mit Windenergieanlagen kann weiter vermindert werden.

Zum Schutz der Fledermäuse können die Anlagen bei hoher Fledermausaktivität ausgeschaltet werden. Die dazu benötigten Systeme haben sich vielfach bewährt und werden von den Anlagenherstellern heute standardmässig angeboten.

Zur Reduktion der Zusammenstösse von Vögeln mit Windenergieanlagen wird zurzeit an verschiedenen Hilfsmitteln geforscht. Schweizer Ornithologen und Windenergiefachleute haben gemeinsam ein Radarsystem entwickelt, das Vogelzüge genau beobachtet und Windenergieanlagen zu kritischen Zeitpunkten gezielt abschaltet.

Weltweit werden innovative Ansätze und Technologien entwickelt und in der Praxis geprüft, um noch effizientere und kostengünstigere Lösungen auf dem Markt zu bringen. Dank diesem dynamischen Umfeld wird in Zukunft die Windenergie noch umweltverträglicher ab als sie es heute bereits ist.


Andere Wild- und Nutztiere gewöhnen sich schnell

Nutztiere wie Kühe oder Schafe werden auf Weiden oder in Ställen auch in der Schweiz in der Nähe von WEA gehalten. Verhaltensauffälligkeiten konnten bisher nicht festgestellt werden. Die Tiere passen sich in der Regel den neuen Gegebenheiten schnell an. Ein Gewöhnungseffekt tritt auch bei Wildtieren nach kurzer Zeit ein. Allerdings kann es in der Bauphase zu einer Meidung eines Gebiets kommen oder störende menschliche Aktivitäten können wegen der besseren Erschliessung eines Gebiets zunehmen. 

Dieser Gefahr wird im Rahmen des Planungsprozesses aber Rechnung getragen und weitestgehend zu vermeiden gesucht. Eine Studie in der Schweiz (Righetti 2017) sowie eine Studie in Österreich (Friedel & Frey-Roos 2015) fanden keine Reaktion des Rotwilds auf Windenergieanlagen. Die Raumnutzung der Tiere wurde nicht verändert und auch den Nahbereich der Anlage (> 100m) wurde nicht gemieden. In der österreichischen Studie wurde der Wechsel zwischen zwei Einstandsgebieten durch den Windpark überhaupt nicht beeinträchtigt.

Weitere Informationen:

Windenergie und Vögel:

Windenergie und Fledermäuse:

Andere Institutionen, die sich mit Windenergie und Naturschutz beschäftigen: