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Umfrage von GFS Bern zeigt: Stromversorgungssicherheit steht in der Bevölkerung über allem – für 73% ist die Windenergie künftig relevant

Die Stromversorgungssicherheit steht bei der Schweizer Bevölkerung klar an erster Stelle. Die Mehrheit ist bereit, für eine sichere Stromversorgung, wenn nötig, höhere Kosten sowie Einschränkungen sowohl beim Klima- und Umweltschutz als auch bei den Beschwerderechten zu akzeptieren. 73% der Befragten gaben an, dass die Windenergie in den nächsten 10 bis 20 Jahren für die Schweizer Stromproduktion eine sehr zentrale Rolle oder eine eher zentrale Rolle spielen wird. Fossile Energien und neue Kernkraftwerke finden keine Mehrheiten.

Die Wasserkraft und Photovoltaik schwingen mit jeweils fast 100% oben hinaus, während rund dreiviertel der Befragten auch die Windkraft als Schlüsseltechnologie betrachten.  Bild: GFS Bern
Die Wasserkraft und Photovoltaik schwingen mit jeweils fast 100% oben hinaus, während rund dreiviertel der Befragten auch die Windkraft als Schlüsseltechnologie betrachten. Bild: GFS Bern

Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts GFS Bern zur Energie- und Klimapolitik im Auftrag des Verbands Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen VSE.

63% befürworten deutliche Abstriche beim Umweltschutz
Die Schweizerinnen und Schweizer sind mehrheitlich (56%) mit der Stossrichtung der Energiepolitik einverstanden. Sie ordnen der Stromproduktion drei zentrale Aufgaben zu und haben dabei eine klare Prioritätenordnung: 53% der Befragten geben die Versorgungssicherheit als erste Priorität an - vor einer klimaneutralen Energieproduktion (25%) und einem bezahlbaren Strompreis (21%). Für die Steigerung der inländischen Produktion aus erneuerbaren Energien für die Versorgungssicherheit sind 67% auch bereit, deutliche Abstriche beim Umweltschutz zu akzeptieren, wenngleich ein haushälterischer Umgang mit unverbauten Flächen erwartet wird (59%).

Alles geben für einen massiven Ausbau der Erneuerbaren im Inland
Versorgungssicherheit soll über die Förderung der erneuerbaren Energien erreicht werden. Eine überwältigende Mehrheit (97%) erachtet die Förderung von erneuerbaren Energien im Inland für eher bzw. sehr sinnvoll. Der Ausbau der erneuerbaren Energien wird zudem als gelebter Umweltschutz betrachtet (85%). 70% befürworten sogar eine Einschränkung von Beschwerderechten, damit der Ausbau schneller vorwärts geht. Eine ebenso grosse Zahl der Befragten gibt indes auch an, skeptisch zu sein, dass der Strombedarf allein mit erneuerbaren Energien gedeckt werden kann. Darüber hinaus kann mit der Förderung von erneuerbaren Energien die Energieabhängigkeit vom Ausland bekämpft werden, was klar einem Bedürfnis entspricht (über 80% Einverständnis). 75% der Befragten sprechen sich generell gegen mehr Stromimporte aus. Sieben von zehn Umfrageteilnehmenden sind mit der Aussage einverstanden, dass die Abhängigkeit von fossilen Energien aus nicht-demokratischen Ländern gestoppt werden müsse.

Wasserkraft vor Photovoltaik und Windenergie
Dass die Bevölkerung mit dem Kurs in der Energiepolitik grundsätzlich einverstanden ist, zeigt auch die Tatsache, welche Energietechnologien in den nächsten Jahrzehnten für relevant empfunden werden. Die Wasserkraft und Photovoltaik schwingen mit jeweils fast 100% oben hinaus, während rund dreiviertel der Befragten auch die Windkraft als Schlüsseltechnologie betrachten. Doch auch weitere erneuerbare Energieträger wie Geothermie und Biogas oder Wasserstoff werden laut Einschätzung der Befragten an Bedeutung gewinnen. Unentschlossen zeigen sich die Befragten gegenüber Gaskraftwerken für Notfälle. Die Option, den Bau von Kernkraftwerken wieder möglich zu machen, ist hingegen nicht mehrheitsfähig.

Klare Mehrheiten für Photovoltaik-Anlagen, Stauseen und Windenergie
Die Bevölkerung steht klar hinter den erneuerbaren Energien. Doch wo dürfen sie gebaut werden? Absolut unbestritten in der Bevölkerung sind Solaranlagen auf bestehenden Infrastrukturen wie Autobahnen und Staumauern sowie auf allen geeigneten Dächern und Fassaden (jeweils 95% sind sehr bzw. eher einverstanden). Auch grosse Solaranlagen in den Bergen auf freien Wiesen sind für die Bevölkerung kein Tabu (51% Zustimmung). Betreffend Stauseen ist die Bevölkerung der Meinung, aus der Not eine Tugend zu machen: 65% befürworten Stauseen an Orten, wo früher ein Gletscher war bzw. ein solcher infolge der Klimaerwärmung schmilzt. Eine knappe Mehrheit würde auch Windräder gutheissen, die vom eigenen Balkon aus sichtbar sind (55%).

Übersicht über die Umfrageergebnisse von GFS Bern

Text: Suisse Eole, Quelle: VSE