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SES: Die Schweiz hinkt bei Solar- und Windstrom Europa hinterher

In einer Kurzstudie hat die Schweizerische Energie-Stiftung SES die Pro-Kopf-Produktion von Sonnen- und Windenergie in der Schweiz und den 28 Staaten der Europäischen Union verglichen. Die Schweiz konnte gegenüber dem letzten Jahr einen Rang gut machen und landet auf Platz 24, knapp vor Tschechien, Ungarn, Slowenien, der Slowakei und Lettland. Die Windstromproduktion pro Kopf beträgt in der Schweiz 17 kWh, im gesamteuropäischen Vergleich einen Tiefstwerte, in Österreich beträgt sie 821 kWh.

Im Vergleich mit den neun umliegenden Ländern (siehe Grafik) landet die Schweiz auf dem vorletzten Platz. Nur gerade 4.2% des Stromverbrauchs werden hierzulande mit den beiden neuen erneuerbaren Technologien erzeugt – in Dänemark sind es über 50%, in Deutschland 33%.

Im Vergleich mit den neun umliegenden Ländern landet die Schweiz auf dem vorletzten Platz. Bild: SES
Im Vergleich mit den neun umliegenden Ländern landet die Schweiz auf dem vorletzten Platz. Bild: SES

Im Norden steppt der Bär
An der Spitze der Liste stehen seit Jahren nordeuropäische Länder: Dänemark, Deutschland und Schweden produzieren alle ein Vielfaches mehr an Windstrom als die Schweiz.. Betrachtet man ausschliesslich die Photovoltaik, liegt die Schweiz immerhin auf Rang 7. Wir werden hier von Deutschland, Malta, Italien, Belgien, Griechenland und den Niederlanden, also teilweise auch von nördlicheren Ländern mit weniger Sonneneinstrahlung geschlagen.

17 kWh Windstrom pro Kopf
2019 betrug die Schweizer Stromproduktion aus Wind 146 Mio. kWh, das sind 17 kWh pro Kopf. Das sind zwar 20% mehr als 2018, aber nicht aufgrund zusätzlicher Anlagen, sondern weil die Windverhältnisse besonders günstig waren. Der Ausbau von Produktionsanlagen für Windenergie stagniert in der Schweiz seit Jahren. Auch wenn dieses Jahr auf dem Gotthard die Bauarbeiten für einen Windpark laufen, der spätestens nächstes Jahr ans Netz geht, kontrastiert der Zubau stark mit der der Dynamik in den Nachbarstaaten.

Im Binnenland Österreich beispielsweise beträgt die pro-Kopf-Stromproduktion aus Windenergie 821 kWh. In Deutschland beläuft sich diese gar auf 1518 kWh, liegt also fast 100mal höher als in der Schweiz (17 kWh). An der Spitze bleibt das Windpionierland Dänemark mit einer pro-Kopf-Produktion von 2781kWh Windstrom.

Stromsektor gewinnt an Bedeutung
Die Schweiz täte gut daran, bei der Solar- und Windkraft aufzuholen. Mit den Bemühungen im Klimaschutz gewinne der Stromsektor an Bedeutung, schreibt die SES. «Die Elektrifizierung in den Bereichen Verkehr und Gebäude wird zusätzlich zum Ersatz des Atomstroms einen Mehrbedarf an einheimischer Elektrizität schaffen», erklärt Felix Nipkow, Leiter Fachbereich erneuerbare Energien. Die Teilrevision des Energiegesetzes, die Bundesrätin Sommaruga im April in die Vernehmlassung geschickt hat, bietet die Gelegenheit, den notwendigen Rahmen für das Erreichen des Netto Null-Ziels zu setzen.

«Der Ausbau erneuerbarer Energien ist die einfachste aller Klimaschutzmassnahme. Nutzen wir, was wir haben: Sonne, Wind und Wasser – und unsere Köpfe», bilanziert Felix Nipkow.

Tags

Akzeptanz, Energiepolitik, Internationales, Technik, Umwelt, Wirtschaft/Finanzen