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Einweihung des Windparks auf dem Gotthard: Ein Lichtblick für die einheimische, erneuerbare Winterstromversorgung

Am 15. Oktober 2020 hiessen Schneegestöber und heftige Wind die Gäste der Einweihung des 5 Anlagen zählenden Windparks auf dem Gotthard willkommen. Der Park wird jährlich bis zu 20 Mio. kWh Strom liefern, soviel wie alle Haushalte in der Leventina verbrauchen. Ein positives Zeichen für die Windenergie in der Schweiz: „Windstrom ist im erneuerbaren Energiemix im Winter systemrelevant“, erklärte Lionel Perret, Geschäftsführer von Suisse Eole. Die letzte Einweihung in der Schweiz eines Windparks fand 2015 statt.

Ideale Windenergieverhältnisse und eisige Temperaturen anlässlich der Einweihung des Windparks auf dem Gotthard. Bild: AET
Ideale Windenergieverhältnisse und eisige Temperaturen anlässlich der Einweihung des Windparks auf dem Gotthard. Bild: AET

Staatsrat Claudio Zali, Direktor der Territorialabteilung, Franco Pedrini, Bürgermeister von Airolo, Christian Brunier, Generaldirektor von Services Industriels de Genève (SIG), und Roberto Pronini, Direktor der Azienda Elettrica Ticinese (AET), trotzten dem Wetter gemeinsam mit den anwesenden Gästen, Journalisten, Vertretern der Unternehmen und der Institutionen, die am Projekt beteiligt sind, und setzten die Anlage symbolisch in Betrieb.

18 Jahre bis zur Umsetzung
Die Projektpartner AET, SIG und die Gemeinde Airolo brauchten einen langen Atem: Vor 18 Jahren startete das Projekt und konnte erst nach einem langen Genehmigungsverfahren mit zahlreichen Rekursen realisiert werden. Rund 300 Windenergieanlagen befinden sich in der Schweiz im langwierigen Planungsverfahren oder stecken in Gerichtsverfahren. Mit rund 1000 Anlagen könnte in der Schweiz rund 15 % des Stromverbrauchs mit Windenergie gedeckt werden. „Da die Anlagen zwei Drittel ihrer Produktion im Winter erzeugen, könnten wir damit eine Winterstromabdeckung von 20 % erreichen“, führte Lionel Perret aus. Genau dann, wenn Solar- und Wasserkraft weniger liefern, unser Bedarf aber höher ist. „Damit würden wir auch unabhängiger von Stromimporten“, fügte er hinzu. Und: „Ein Franken, den wir in Windenergie investieren, spart Investitionen von fünf Franken in Speichertechnik.“

2020 wurden die einzelnen Teile der Türme, die Gondeln und die Windräder transportiert und zusammengebaut. Bild: AET
2020 wurden die einzelnen Teile der Türme, die Gondeln und die Windräder transportiert und zusammengebaut. Bild: AET

Fünf Anlagen mit je 2.35 MW
Der Windpark umfasst 5 Enercon-Anlagen mit je 2.35 MW Leistung. Die jährliche Produktion wird auf 16 bis 20 GWh geschätzt und kann den Strombedarf der Haushalte in der Leventina decken. Die Investition für die Realisierung des Projektes beläuft sich auf CHF 32 Mio. und wurde von den Aktionären des Parco eolico del San Gottardo SA unterstützt: AET (70 %), SIG (25 %) und die Gemeinde Airolo (5 %). Die Anlagen erhalten 20 Jahre die Einspeisevergütung aus dem Fonds für erneuerbare Energien KEV, einem Instrument des Bundes, das durch eine Abgabe der Konsumenten auf den Energieverbrauch finanziert wird.

Zwei Sommer für den Bau
Für den Aufbau der 5 Windenergieanlagen wurden während zweier Jahre die Sommermonate mit der Passstrassenöffnung ausgenutzt. 2019 wurden die Fundamente, die Kabelleitungen für die Netzwerkanbindung und die Zugänge zu den Generatoren erstellt; 2020 wurden dann die einzelnen Teile der Türme, die Gondeln und die Windräder transportiert und zusammengebaut. Im Moment sind die Windenergieanlagen in der Phase der Inbetriebsetzung und werden ab Anfang November regelmässig Strom produzieren. Die Bauarbeiten werden auch im nächsten Sommer fortgesetzt, um die zahlreichen Wiederherstellungs- und Bodensanierungsmassnahmen fertigzustellen.

Spektakuläre Bilder anlässlich des Transports der Flügel von Airolo auf den Gotthardpass. Bild: AET
Spektakuläre Bilder anlässlich des Transports der Flügel von Airolo auf den Gotthardpass. Bild: AET

Ein bescheidenes Ziel
Mit den vorgesehenen 1000 Anlagen für 2050 setzt sich die Schweiz zum Beispiel im Vergleich zu Österreich ein recht bescheidenes Ziel: Dort standen bereits 2015 so viele Windenergieanlagen. Heute sind es über 1300, die 13 % des Stromverbrauchs decken. In der Schweiz können nur 0.2 % des Stromverbrauchs mit Windenergie gedeckt werden. Österreich, das wie die Schweiz in seinem Strommix rund 60 % Wasserstrom hat, hat sich für 2030 das Ziel gesetzt, einen Windstromanteil von über 25 % zu erreichen.

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Akzeptanz, Anwohnende, Energiepolitik, Gemeinden, Kantone, Technik, Wirtschaft/Finanzen