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Ausserkantonale Stellungnahmen überwiegen bei Anhörung für Windpark Honegg-Oberfeld

Beim Einwendungsfahrfahrens zum Windpark Honegg-Oberfeld im Kanton Appenzell Innerhoden vor rund einem Jahr gingen mehrheitlich ausserkantonale Stellungnahmen ein. Das zeigt eine Untersuchung des Instituts für Wirtschaft und Ökologie der Universität St.Gallen. Da die Stellungnahmen wichtig für den Entscheid der Behörden waren, werfen die Autoren der Untersuchungen Fragen zur demokratischen Entscheidungsfindung bei der Planung von Windenergieprojekten auf.

Die ausserkantonalen Stellungnahmen zum Windpark Honegg-Oberfeld betreffen insbesondere für negative Stellungnahmen zu, aber auch positive Stellungnahmen weisen diese Tendenz auf: 77% der ablehnenden und 55% der zustimmenden Stellungnehmenden haben ihren Wohnsitz nicht im Kanton AI. Zudem haben knapp die Hälfte der Stellungnehmenden einen Wohnort, der mehr als 5km vom Windpark entfernt ist. Eine Diskussion über die Gewichtung von Stellungnahmen betreffend deren Herkunft und Einfluss im Rahmen von Bewilligungsprozessen könnte sich gemäss der Autoren der Studie für die sachliche Entscheidungsfindung als zielführend erweisen. Für die Fallstudie wurden 262 öffentlich verfügbare Stellungnahmen, die im Rahmen des Anhörungs- und Einwendungsfahrfahrens zum Windpark Honegg-Oberfeld (12. April 2018 bis 31. Mai 2018) eingegangen sind, ausgewertet.

Links die positiven Stellungnahmen, die zu 55% von ausserhalb Appenzell Innerhoden kamen, rechts die negativen Stellungnahmen, die zu 77% von ausserhalb des Kantons haben. Grafik: UNI St. Gallen
Links die positiven Stellungnahmen, die zu 55% von ausserhalb Appenzell Innerhoden kamen, rechts die negativen Stellungnahmen, die zu 77% von ausserhalb des Kantons haben. Grafik: UNI St. Gallen

Landschaftsauswirkungen unterschiedlich beurteilt
Befürwortende Stellungnahmen fokussieren hauptsächlich auf den Beitrag des Windparks an die Energiestrategie 2050 und sehen die Landschaftsauswirkungen als netto positiv. Negative Stellungnahmen weisen ein breiteres Spektrum von Gegenargumenten auf. Gewichtet man eine gut organisierte Gruppe von Opponierenden, deren Stellungnahme ca. einen Fünftel aller Einsprachen ausmacht, als eine einzelne Stimme, wird die Bandbreite von Gegenargumenten bedeutend kleiner: Das Hauptanliegen der gegnerischen Stimmen ist sodann die Landschafts-Ästhetik. Besorgnisse zu Infraschall oder eine negative wirtschaftliche Bewertung des Projekts und seines Beitrags zur Energiestrategie 2050 sind in den individuellen Stellungnahmen seltener.

Lärmsorgen trotz grosser Entfernung
Es erstaunt, dass viele weit entfernt wohnende Individuen und auch institutionelle Akteure, die physikalisch nicht von Geräuschemissionen betroffen wären, sich Sorgen um eine mögliche Lärmbelastung machen. Mehr als die Hälfte (53%) der Stellungnehmenden, die das Thema Lärm erwähnen, wohnen weiter als 3 km vom Projektstandort entfernt; 27% wohnen in einer Entfernung zwischen 6 und 15km; 11% haben Ihren Wohnort mehr als 15 km entfernt. Dies deutet darauf hin, dass Ängste in der Bevölkerung und innerhalb von Institutionen bestehen, die durch konkrete Erfahrungen mit tatsächlich realisierten Windkraftanlagen reduziert werden könnten.

Über die Hälfte (53%) der Stellungnehmenden, die das Thema Lärm erwähnen, wohnen weiter als 3 km vom Projektstandort entfernt; 27% wohnen in einer Entfernung zwischen 6 und 15km; 11% haben Ihren Wohnort mehr als 15 km entfernt. Grafik: UNI St. Gallen
Über die Hälfte (53%) der Stellungnehmenden, die das Thema Lärm erwähnen, wohnen weiter als 3 km vom Projektstandort entfernt; 27% wohnen in einer Entfernung zwischen 6 und 15km; 11% haben Ihren Wohnort mehr als 15 km entfernt. Grafik: UNI St. Gallen

Auswertung des Einwendungsverfahrens zum geplanten Windpark Honegg-Oberfeld

Text: Institut für Wirtschaft und Ökologie (IWÖ-HSG), Universität St.Gallen

Tags

Akzeptanz, Anwohnende, Energiepolitik, Gemeinden, Kantone, Umwelt