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Anlagenwart Pierre Berger: «Ein falscher Tritt und ich bin weg»

Für seine Arbeit im Windpark Juvent im Berner Jura muss Pierre Berger, Anlagewart, hundert Meter hoch steigen. Auf die riskanten Einsätze bereitet er sich gedanklich vor.

Pierre Berger, sind Sie nervös, wenn Sie auf eine Windturbine steigen?
Nein, nervös nicht. Aber für mich bleibt die Arbeit aussergewöhnlich.

Keine Routine?
Eine solche Arbeit ist nie Routine.

Weshalb nicht?
Die Windturbinen sind knapp hundert Meter hoch – ein falscher Tritt und ich bin weg.

Mit Seil und Gurten gesichert: «Wichtig ist, dass ich nicht gestresst bin», sagt Pierre Berger. ©Bild: Ben Zurbriggen
Mit Seil und Gurten gesichert: «Wichtig ist, dass ich nicht gestresst bin», sagt Pierre Berger. ©Bild: Ben Zurbriggen

Sind Sie denn nicht gesichert?
Doch, mit Seilen und Gestältli, ähnlich wie beim Klettern. Wir sind zudem immer zu zweit und per Funk verbunden, damit wir uns notfalls helfen können. Trotzdem kontrolliere ich vor jedem Einsatz, ob die Seile halten und ob die Karabiner geschlossen sind. Denn dort oben lauern andere Gefahren als hier unten.

Was für Gefahren?
Vor allem das Wetter. Bei starkem Wind, bei Schnee, Eis oder Gewittern gehe ich gar nicht erst hoch. Nach einem Gewitter muss ich eine Stunde warten, da in der Luft immer noch elektrische Energie sein kann. Weil die Maschinen aus Metall sind, könnten sie sich aufladen und ich einen Stromschlag erhalten.

Haben Sie Angst?
Nein. Es wird mir auch nicht schwindlig oder schlecht von der Höhe. Sonst hätte ich den falschen Beruf gewählt.

In Deutschland, wo es noch mehr Windkraftwerke gibt, verunglücken immer wieder Monteure. Ist Ihnen schon mal ein Unfall passiert?
Nein, zum Glück ist das bis jetzt keinem hier passiert. Aber wir üben einmal im Jahr das Abseilen von ganz oben. Falls der Lift ausfällt, können wir uns so selbst retten.

Wie bereiten Sie sich auf einen Einsatz auf der Turbine vor?
Wichtig ist, dass ich gesund und nicht gestresst bin. Mit Kopfschmerzen etwa gehe ich nicht hoch. Vor allem die Fahrt nach oben hilft mir, mich vorzubereiten.

Inwiefern?
Sie dauert mit dem Lift sieben Minuten. Den obersten Teil steige ich über eine enge Leiter hoch. In dieser Zeit kann ich den Einsatz im Kopf durchplanen. Wenn ich oben ankomme, bin ich ruhig und konzentriert und weiss, was zu tun ist.

Was machen Sie, wenn Sie sich verletzen in der Höhe?
Dann funke ich das meinem Begleiter. Er würde, je nach Unfall, die Alpine Rettung oder die Rega organisieren. Eine Rettung mit dem Krankenwagen wäre zwar möglich. Wenn der Verletzte aber über die enge Leiter und den Lift geborgen werden muss, wäre das sehr schwierig. Darum ist für mich klar: Wenn ich nicht topfit bin, habe ich auf der Anlage nichts zu suchen.

So weit oben muss die Aussicht prächtig sein. Können Sie sie überhaupt geniessen?
Mittlerweile kenne ich sie. Aber es stimmt, sie ist sehr schön. Bei klarem Wetter sieht man vom Jura bis zum Säntis und zum Mont Blanc.

Zur Person Pierre Berger
Pierre Berger ist Anlagenwart im Windpark Juvent in Saint-Imier BE. Der Vater von vier Kindern lebt in Mont-Crosin. Im Sommer geht er gerne wandern oder velofahren.

©Interview: Tamara Tiefenauer, erschienen im Gesundheitstipp Nr. 3 / März 2018

Tags

Akzeptanz, Technik