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Rolf Wüstenhagen: „Zum Teil schnitten diese Windprojekte sogar besser ab als jene im Ausland“

Für's BFE untersuchte HSG-Professor Rolf Wüstenhagen mit seinem Team, wer in Erneuerbare investiert und warum die meisten Investitionen im Ausland getätigt werden: „Wir stellten fest, dass diejenigen Investoren, die Windenergieprojekte in der Schweiz realisieren konnten, mit der Performance zufrieden waren.“

Rolf Wüstenhagen erklärte gegenüber energeia 1/2018 des BFE: „Sonne, Wind und Wasser sind am attraktivsten, haben aber alle ihre spezifischen Herausforderungen. Der Fokus unserer Studie lag auf Wind- und Wasserkraftinvestitionen. Wir stellten fest, dass diejenigen Investoren, die Windenergieprojekte in der Schweiz realisieren konnten, mit der Performance zufrieden waren. Zum Teil schnitten diese Projekte sogar besser ab als jene im Ausland. Es stecken jedoch viele unrealisierte Windprojekte in der Pipeline, weil die Bewilligungsverfahren viel länger dauern als in anderen Ländern.“ Bezüglich der Bewilligungsverfahren äussert sich Wüstenhaben erstaunt: „…Mich hat es überrascht zu sehen, wie komplex das Verfahren in der Praxis ist – aufgrund der föderalen Vielfalt. Eine Harmonisierung der Bewilligungsverfahren wäre hilfreich…“

Prof. R. Wüstenhagen: „Manchmal neigt man dazu, die Risiken im Ausland zu unterschätzen, weil man beispielsweise mit dem energiepolitischen Prozess weniger gut vertraut ist. Das Gras ist nicht immer grüner auf der anderen Seite.“ Bild: Daniel Ammann
Prof. R. Wüstenhagen: „Manchmal neigt man dazu, die Risiken im Ausland zu unterschätzen, weil man beispielsweise mit dem energiepolitischen Prozess weniger gut vertraut ist. Das Gras ist nicht immer grüner auf der anderen Seite.“ Bild: Daniel Ammann

Rolf Wüstenhagen erklärte, Investitionen im Ausland würden auch Risiken in sich bergen: „Steht man zum Beispiel vor der Entscheidung, ein langwieriges Windprojekt in der Schweiz zu entwickeln oder einen schlüsselfertigen Windpark im Ausland zu kaufen, dann werden nicht nur nüchtern Renditen kalkuliert… Manchmal neigt man jedoch dazu, die Risiken im Ausland zu unterschätzen, weil man beispielsweise mit dem energiepolitischen Prozess weniger gut vertraut ist.“ Es zeige sich, dass einige Beteiligungen an Gaskraftwerken rückblickend Fehlinvestitionen waren, weil man die Preise für Spitzenlast überschätzt hat. Die Windenergie-Investitionen wiesen eine bessere Performance auf und wichen weniger stark von den Erwartungen ab.

Auf die Frage, wie sich die komplexe Ausgangslage auf die Finanzierbarkeit von Windprojekten auswirke antwortete Rolf Wüstenhagen: Jedes Risiko hat seinen Preis. Muss man Investoren für hohe Risiken entschädigen, dann wird dies relativ teuer. Wenn ein Windprojekt zehn bis zwölf Jahre für die Realisierung braucht und es selbst nach sechs bis acht Jahren noch scheitern kann, zieht dies eher risikofreudige Investoren an. Ein Vergleich: Man kann in französische oder griechische Staatsanleihen investieren. Für griechische Staatsanleihen ist die Risikoprämie wesentlich höher. Investitionen sind möglich, aber nur zu einem höheren Preis. Rahmenbedingungen wie für französische Anleihen zu schaffen, wäre für alle Beteiligten günstiger.“

Gesamtes Interview lesen in energeia 1/2018, ab S. 2

Gastbeitrag von Rolf Wüstenhagen zur Studie im BFE-Blog energeiaplus

Tags

Akzeptanz, Energiepolitik, Technik, Wirtschaft/Finanzen