News

Windenergieprojekte richtig kommunizieren: 20% Inhalt und 80% Emotionen

Manch ein Gemeinderat stösst an seine Grenzen, wenn es darum geht, der Bevölkerung Windprojekte zu erklären. Am Seminar „Windenergie im Gemeindebann“ in Olten liessen sich unter anderem Gemeinderätinnen und -räte sowie Projektplaner ins ABC der Kommunikation in einem angespannten Umfeld einführen.

Markus Geissmann

„Wir wollen mit unserer Energiestrategie weg von Grosskraftwerken“, erklärte Markus Geissmann, Leiter Bereich Windenergie beim Bundesamt für Energie, die Ausgangslage: „Neben der Wasserkraft wird die Stromproduktion aus Photovoltaik, Wind und Biomasse stammen. Es wird folglich weniger grosse, sondern mehr kleine Kraftwerke geben. Dadurch kommt die Bevölkerung eher in Kontakt mit ihnen. Und Sie von den Gemeinden werden dann die Kraftwerke planen und hoffentlich auch umsetzen“. 

Reto Rigassi, Geschäftsführer von SuisseEole, fügte an: „Oft hat man das Gefühl, dass ganz viele Menschen gegen die Windkraft sind, aber letztendlich sind es meistens Einzelpersonen, die sich durch die Windkraft gestört fühlen und sehr laut auftreten.“ Die meisten seien aber Wind-Befürworter, das hätten auch die Abstimmungen zu Windprojekten gezeigt, die in vielen Gemeinden klar befürwortet wurden. „Eine Mehrheit der Bevölkerung akzeptiert die Windkraft und fühlt sich gut informiert.“

Botschaften verpacken und Bilder entwickeln

Remo Oser, Gemeindepräsident aus Röschenz BL berichtet engagiert über seine bisherigen Erfahrungen mit einem Windpark-Projekt. Er plädierte für eine frühe und offene Information der Bevölkerung und legt dar, "das wir lernen müssen, dass neben guten Argumenten für die Windenergie, auch der Gesamtzusammenhang dargestellt werden muss".

Remo Oser

„Wir müssen lernen, die Botschaften einfach zu verpacken, den Verhältnissen anzupassen und einfach Bilder zu entwickeln, wie zum Beispiel die Katze, die einen Vogel heimbringt, den sie gefangen hat,“ griff Celestina Kuhl, von Kuhlcom in Zürich, den Faden auf, da es bei Windturbinen zum Beispiel oft um den Vogelschutz gehe. 

Gemeinsam mit den Teilnehmern durchleuchtete sie die Rolle des Gemeinderats, der möglichst neutral kommunizieren sollte. „Hier gilt bei öffentlichen Anlässen auch, die Bevölkerung klar zu informieren, über welches Stadium des Prozesses informiert wird.“ Stehe zum Beispiel die Umweltverträglichkeitsprüfung noch an, sei es sinnlos, über Vogelschutz und Lärmemissionen zu diskutieren. „Alles zu seiner Zeit“ ist somit ein wichtiger Grundsatz, den die Teilnehmenden mitnehmen konnten.

Wer antwortet zu welchem Thema?

„Es macht durchaus Sinn, vor einer Informationsveranstaltung zu besprechen, wer am Rednerpult zu welchem Thema antwortet“, führte Celestina Kuhl aus. Auch kritische Fragen können vorher zusammengestellt und vorbeantwortet werden: „Damit wird am Rednertisch viel Druck weggenommen.“ Spannend war die Frage der Kommunikationsfachfrau an die Teilnehmenden, ob sie denn lieber inhaltlich-sachlich oder emotional argumentieren würden. Rund 80% sprachen sich für eine sachliche Diskussion aus. Die Kommunikationsfrau unterstrich jedoch, wie wichtig es sei, auf die Emotionen einzugehen: „Ist bei uns ein Anliegen emotional besetzt, möchten wir auf derselben Ebene eine Rückmeldung erhalten“, sonst fühlen wir uns nicht erst genommen. Werden Ängste folglich mit rein sachlichen Argumenten abgehandelt, fühlt sich das Gegenüber verschaukelt.

Strategien bei emotionalen Gesprächen

Celestina Kohl

Wie auf emotional geladene Teilnehmer reagiert werden kann, war wohl für alle Teilnehmenden ein sehr wichtiges Thema: Klärende Rückfragen, die Fragen mit gleichen Worten wiederholen, Anerkennung und Verständnis zeigen und Standpunkte emotional spiegeln, waren die wichtigsten Rezepte, die Celestina Kuhl bereithielt und die in Gruppen geübt wurden. „Wenn wir die Emotionen aufnehmen, fühlt das Gegenüber unsere Wertschätzung, das ist sehr wichtig“, erläuterte die Kommunikationsspezialistin. Aber auch Pausen oder ein Nicken vor dem Antworten signalisieren dem Gegenüber, dass es ernst genommen wird.

Drei Kurzworkshops

Nach der Kurzeinführung in das ABC zur Kommunikation in einem angespannten Umfeld trafen sich die Teilnehmenden zu Kurzworkshops zu den Themen „Umgang mit aggressiven Gesprächspartnern“, „Umgang mit Einwänden zur Windenergie“ und „Erfolgreiche kommunale Informationsveranstaltungen planen.“ 

Ein kurzer Programmpunkt drehte sich ausserdem um die Moderation von besonderen Anlässen.

Sowohl im Einführungsteil als auch in den Kurzworkshops war der Austausch zwischen den Teilnehmenden sehr wichtig. 

Gruppenarbeit

Alle Tipps aus dem ABC der Kommunikation konnten in Gruppen geübt werden: „Der Austausch der Erfahrungen mit den anderen Betroffenen hat mir persönlich geholfen“, erklärte Bernhard Schmocker von der ADEV Energiegenossenschaft, der am Seminar teilgenommen hat. „Die Kommunikationstheorie ist einleuchtend, sie anschliessend in heiklen Situationen anzuwenden, braucht jedoch noch etwas Übung!“

Tags

Akzeptanz, Energiepolitik, Gemeinden, Veranstaltungen