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Deutschland: Uhu, Schwarzstorch und Rotmilan geht es bestens, trotz Ausbau der Windkraft

Die Zahl der Windkraftanlagen hat sich seit 2000 in Deutschland fast verdreifacht. Zugleich verbessern sich die Lebensbedingungen geschützter Vögel. Insbesondere Uhu und Schwarzstorch haben sich deutlich vermehrt; die Rotmilanpopulation ist stabil. Von der Roten Liste der bedrohten Brutvögel Deutschlands, mitsamt der Vorwarnliste, sind alle drei Arten mittlerweile gestrichen.

Trotzdem erhöhen in Deutschland Ministerien und Behörden die Naturschutzauflagen für Windparks immer weiter und gefährden damit den für den Klimaschutz notwendigen Erfolg der Energiewende.

Bestandsentwicklung des Rotmilans, Uhus und Schwarzstorchs in Deutschland von 2000 bis 2009 bzw. 2013 gegenüber der Entwicklung der Windenergie von 2000 bis 2013 (Datenherkunft: WindGuard GmbH in: BWE, 2014). Grafik: ABO Wind (zuunterst am Text)
Bestandsentwicklung des Rotmilans, Uhus und Schwarzstorchs in Deutschland von 2000 bis 2009 bzw. 2013 gegenüber der Entwicklung der Windenergie von 2000 bis 2013 (Datenherkunft: WindGuard GmbH in: BWE, 2014). Grafik: ABO Wind (zuunterst am Text)

Uhupopulation steigen rasant
Die Umweltwissenschaftlerin Kirstin Ulrichs, Fachfrau für Arten- und Naturschutz bei ABO Wind, hat die ihr vorliegenden Untersuchungen und Bestandserhebungen zu den drei geschützten Vogelarten systematisch ausgewertet. Besonders erfreulich entwickelt sich der Bestand der grössten europäischen Eule, des Uhus, wie die Ergebnisse zeigen. Im Jahr 2000 brüteten rund 700 Paare in Deutschland. Bei der jüngsten Bestandserhebung 2009 waren es mehr als dreimal so viele, nämlich geschätzte 2300 Paare. Während sich die Uhupopulation verdreifachte, wurde die Windkraft in Deutschland massiv ausgebaut. Drehten sich im Jahr 2000 die Rotoren von etwa 9300 Anlagen, waren es 2014 bereits rund 25'000 Anlagen.

Noch vor wenigen Jahrzehnten war es um den Uhu sehr viel schlechter bestellt. Bis weit ins 20. Jahrhundert wurde er systematisch verfolgt. Dank intensiver Bemühungen um Schutz und Wiederansiedlung erholt sich die Population seit Mitte der 1980er Jahre. Die kontinuierlich wachsende Zahl der Windkraftanlagen ändert an diesem positiven Trend nichts.

Schwarzstorch wächst parallel zur Energiewende
Auch der Bestand des Schwarzstorchs wächst parallel zur fortschreitenden Energiewende. Obwohl der Vogel als besonders scheu gilt, haben sich einige Exemplare sogar in der Nachbarschaft von Windkraftanlagen angesiedelt. So hat im rheinland-pfälzischen Westerwald während des Baus eines Windparks ein Pärchen in 900 Metern Entfernung einen Nistplatz errichtet und während des Aufbaus der Anlagen einen Jungvogel aufgezogen. Im Jahr darauf − der Windpark war mittlerweile in Betrieb − bauten die Vögel den Nistplatz noch aus und zogen drei weitere Jungvögel auf.

Die Bestandsentwicklung zeigt, dass die Schwarzstörche im Westerwald keine Ausnahme darstellen und der Vogel sich parallel zum Windkraftausbau rasant vermehrt. Im Jahr 2000 nisteten hierzulande rund 370 Brutpaare. Die Zahl der Windkraftanlagen hat sich in den folgenden neun Jahren mehr als verdoppelt – und die Schwarzstorchpopulation entwickelte sich ähnlich: Bei der jüngsten Erhebung im Jahr 2009 ermittelten Fachleute einen Höchststand von rund 700 Brutpaaren. Früher erging es dem Schwarzstorch in Deutschland deutlich schlechter. Ende des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts brachten Abschuss, Aushorstung und Gelegediebstahl den Vogel an den Rand des Aussterbens. Mitte des 20. Jahrhunderts nahm der Bestand in Mitteleuropa allmählich wieder zu. Insbesondere seit Ende der 1980er Jahre wächst die Population in Deutschland massiv. Diese positive Entwicklung verläuft parallel zum Ausbau der Windkraft und dauert bis heute an.

Rotmilanpopulation ist erfreulich stabil

Auch die Bestände des als besonders windkraftsensibel geltenden Rotmilans sind nach Expertenangaben seit Ende der 1990er Jahre stabil. In den vergangenen Jahren zeichnet sich sogar eine positive Tendenz ab. 2013 verbrachten rund 13'000 Brutpaare den Sommer in Deutschland. Vor 15 Jahren, bevor die Energiewende und damit der Ausbau der Windkraft Fahrt aufnahmen, brüteten dort etwa zehn Prozent weniger Rotmilane, nämlich rund 11'000 Paare. In den Jahrzehnten davor waren die Bestandszahlen zum Teil viel besorgniserregender. Die massive Greifvogelbejagung erreichte im 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts einen Höhepunkt. Gebietsweise galt der Rotmilan als ausgerottet. Weil der Rotmilan langsam fliegt und wenig Scheu vor Siedlungen zeigt, ist er ein leichtes Jagdopfer. Nachdem Artenschutzmassnahmen eingeführt wurden und die Greifvogeljagd ebenso wie einige besonders schädliche Biozide verboten wurden, erholte sich der Bestand in den 1970er und 1980er Jahren. Doch gravierende landwirtschaftliche Veränderungen nach der Wiedervereinigung dezimierten die Bestände erneut − vor allem im Osten Deutschlands.

Zwar ist unbestritten, dass Kollisionen mit Windkraftanlagen zu den Lebensrisiken gehören, denen Rotmilane ausgesetzt sind. Allerdings fällt dieses Risiko für die Art insgesamt nicht ins Gewicht. Auch eine umfangreiche Studie des Michael-Otto-Instituts des NABU kommt zu dem Ergebnis, dass „kein statistisch signifikanter Nachweis von erheblichen negativen Auswirkungen der Windkraftnutzung auf die Bestände von Brutvögeln erbracht werden“ kann. Nahrungsmangel durch landwirtschaftliche Intensivierung, menschliche Verfolgung durch Vergiftung und Abschuss sowie der Strassenverkehr zählen dagegen zu den bedeutenden Todesursachen.

Die erfreulichen Entwicklungen der Bestände des Uhus, des Schwarzstorchs und des Rotmilans fanden auch in der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands Berücksichtigung: Keine der Arten ist in Deutschland noch als gefährdet gelistet (Südbeck et al., 2007). „Die Bestandsentwicklungen der drei Arten zeigen, dass sich die Vögel parallel zum Windkraftausbau gut entwickeln. Windkraft und Vogelschutz sind bei sorgfältiger Planung miteinander vereinbar und schließen sich keineswegs aus“, resümiert Kirstin Ulrichs ihre Recherche.

Quelle: ABO Wind

Tags

Akzeptanz, Naturschutz, Umwelt