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Geschichte der Windenergienutzung
mit Fokus auf die Schweiz
1 GWh = 1 Mio. kWh
1 MW = 1000 Watt
2011 Neuausrichtung der Energiepolitik: Aufgrund der Reaktorkatastrophe von Fukushima beschliessen Bundesrat und Parlament den Ausstieg aus der Atomenergie. Damit wird klar, dass Windenergie zusammen mit den anderen erneuerbaren Energieträgern eine bedeutende Rolle in der künftigen Energieversorgung spielen wird. Suisse Eole fordert Rahmenbedingungen, die einen schnelleren Zubau als bislang ermöglichen. Auf Basis der bestehenden kantonalen Planungen können bis 2020 schweizweit jährlich 1500 GWh Windstrom produziert werden, was 2,5% des aktuellen Schweizer Strombedarfs entspricht. Bis 2040 können auf Grund konservativer Potenzialberechnungen schweizweit jährlich über 4000 GWh Windstrom oder 7% des aktuellen nationalen Strombedarfs produziert werden.
Ende September wird die höchstgelegene Einzelanlage Europas eingeweiht. Die Anlage vom Typ Enercon E-70 steht auf 2465 m ü. M. in hochalpiner Landschaft über dem Gries-Stausee (VS) und weist eine Leistung von 2,3 MW auf. Zudem wurde Mitte November in Rengg bei Entlebuch (LU) eine Windturbine mit 0,95 MW montiert. Sie steht 300 m südlich der 2005 errichteten sehr ähnlichen Anlage und ist die dreissigste im Land. Die Gesamtleistung der Schweizer Anlagen erreicht 45,52 MW.
2010 Rekordjahr für die Schweizer Windbranche: Die Produktionskapazitäten steigen um nahezu 150% auf 42 Megawatt. Der Zubau verteilt sich auf drei Standorte. Im Lauf des Sommers wurde der Windpark Mont-Crosin (BE) mit 8 Vestas V90 mit je 2 MW erweitert. Im ältesten und grössten Windpark der Schweiz wurde damit die Anlagenzahl verdoppelt, die installierte Leistung verdreifacht, die Produktion vervierfacht – ein eindrücklicher Beleg für die zunehmende Effizienz der Anlagen. Die Einzelanlage am Standort Gütsch bei Andermatt (UR) auf rund 2330 Metern über Meer wurde durch Zubau von zwei Enercon E-44 von je 0,9 MW zum höchstgelegenen Windpark Europas. In Le Peuchapatte (JU) wurden drei Enercon E-82 mit je 2,3 MW Leistung errichtet.
2009 Der erste Bürgerwindpark der Schweiz nimmt in St. Brais (JU) den Betrieb auf. Über 600 Kleinaktionäre beteiligen sich finanziell an den beiden Windturbinen vom Typ Enercon E-82 mit einer Leistung von je 2 MW. Total installierte Windenergieleistung in der Schweiz: 17,5 MW.
2008 In Vernayaz bei Martigny (VS) wird eine Enercon E-82 (2000 kW) montiert. Die in der Schweiz installierte Leistung steigt damit auf 13,57 MW. Erwartete jährliche Durchschnittsproduktion: 20 GWh. Projekte mit einer Gesamtleistung von rund 200 MW sind in Planung.
2007 Die eidgenössischen Räte verabschieden die Änderung des Energiegesetzes (neu mit kostendeckender Einspeisevergütung).
Weltweit sind 94‘000 MW Windenergieleistung installiert. Der Jahreszubau von 20‘000 MW entspricht einem Wachstum von 31 Prozent. Jahresproduktion in der Schweiz: 16 GWh
2006 Das Bundesgericht gesteht der Gewinnung von Windstrom grosses öffentliches Interesse zu.
2005 Auf der Rengg bei Entlebuch (LU) wird die erste Windturbine auf einem Schweizer Bauernhof installiert (900 kW).
In Collonges (VS) wird die schweizweit erste 2000 kW Turbine errichtet.
Energieperspektiven des BFE 2035 (Bearbeitung PSI): Technisch realistisch erschliessbares Potenzial Schweiz beträgt 1150 GWh/a aus Windparks (728 Turbinen an 96 Standorten) und 2850 GWh/a aus Einzelanlagen.
2004 Das Konzept Windenergie Schweiz des Bundes identifiziert Standorte für Windparks (ab drei Turbinen):
- Potenzial bis 2010, 100 GWh Windstrom pro Jahr. Realisierung von 64 Anlagen an zehn Standorten, teils bereits in Planung oder aus Sicht Landschaftsschutz relativ problemlos.
- Potenzial bis 2025, 600 GWh Windstrom pro Jahr. Sämtliche kantonalen und prioritären Standorte aus dem Konzept realisiert. Energieproduktion durch Windparks (320 GWh), zuzüglich ein Zehntel aller Einzelanlagen, welche die Kriterien des Konzepts erfüllen (280 GWh).
- Potenzial bis 2050, 4000 GWh Windstrom pro Jahr. Alle Windparkstandorte aus dem Konzept (1150 GWh) und alle Einzelanlagen, welche die Kriterien des Konzepts erfüllen (2850 GWh).
Am Standort Gütsch ersetzt eine Enercon E-40 (600 kW) die defekte Anlage. Zwei Vestas V66 erhöhen die installierte Leistung des Windparks Mt. Crosin auf 7,6 MW.
Jahresproduktion in der Schweiz: 6,2 GWh
2002 Am Standort Gütsch oberhalb Andermatt (UR) wird auf 2332 m ü.M. die damals weltweit höchstgelegene Grosswindturbine errichtet (800 kW).
2001 Deutschland verabschiedet das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und verstärkt damit den einheimischen Windenergie-Boom. Die deutsche Windindustrie erfährt in der Folge einen gewaltigen Schub und schafft zehntausende Arbeitsplätze. Das Gesetz wird zum Exportschlager.
Zielsetzung des UVEK: Jahresproduktion von 50 bis 100 GWh Windstrom in der Schweiz bis 2010.
Ausbau des Windparks Mt. Crosin um weitere zwei Turbinen.
Jahresproduktion in der Schweiz: 4 GWh
1999 Leitfaden des BFE «Planung von Windenergieanlagen».
1998 Gründung von Suisse Eole, ein Netzwerk der Erneuerbaren Ener- gien von Energie 2000.
Bau einer weiteren Anlage auf dem Mt. Crosin.
1997 Änderung des Baugesetzes in Deutschland, Windturbinen gelten als privilegierte Bauvorhaben.
Jahresproduktion in der Schweiz: 1,95 GWh
1996 Drei Vestas V44 werden von Juvent SA auf dem Mt. Crosin (BE) montiert.
Die Studie «Windkraft und Landschaftsschutz» des BFE ergibt ein Potenzial in erster Priorität von 270 GWh und ein Gesamtpotenzial von 1600 GWh jährlich.
1994 Eine 150 kW Windkraftanlage wird von ADEV auf dem Grenchenberg (SO) installiert.
1992 Im Programm Energie 2000 ist die Nutzung der Windenergie definitiv kein Schwerpunkt.
1991 Verabschiedung des Stromeinspeisegesetzes in Deutschland.
1990 Publikation «MeteoNorm Wind» (BFE), ein Leitfaden für den Windenergieplaner.
1988 Potenzialabschätzungen zur Nutzung der Windenergie in der Schweiz im Rahmen der EGES-Szenarien: Referenzszenario 168 GWh, Ausstiegszenario 662 GWh Windstrom pro Jahr.
1986 Erste netzgekoppelte Windturbine (28 kW) der Schweiz wird am Standort Sool bei Langenbruck (BL) montiert.
1980 – 1985 «Windrausch» in Kalifornien, tausende Anlagen werden in sanfte Hügellandschaften gepflanzt.
1980 Die Entwicklung von 55 kW Turbinen in Dänemark verhilft der Windkraftnutzung zum Durchbruch. Die Stromgestehungskosten werden halbiert.
1973 Die Ölkrise lässt das Interesse an der Windenergie neu aufleben. Windprogramm in Dänemark.
1920 Albert Betz erforscht Physik und Aerodynamik des Windrotors. Er formuliert das Betz‘sche Gesetz, das besagt, dass die kinetische Energie des Windes maximal zu 59,3 Prozent ausgenutzt werden kann. Seine Theorie zur Formgebung der Flügel wird heute noch angewendet.
1887 – 1888 Charles F. Brush baut in den USA die erste vollautomatische Windkraftanlage zur Stromerzeugung. Ein Rotor mit 17 Metern Durchmesser und 144 Blättern aus Zedernholz treibt einen 12 kW Generator an. Bis auf wenige Ausnahmen sind alle Windgeneratoren bis 1920 mit einem Vielblattrotor versehen.
600 – 700 n. Chr. Erste Windmühlen entstehen in Persien. In China werden windgetriebene Wasserschöpfräder gebaut.
1700 v. Chr. Windräder werden in Mesopotamien zur Bewässerung eingesetzt.

